Meine Prothesen

Die erste Prothese
Meine Eltern sind seit Jahren schon vom Kraftsport angefressen und gehen seit über 20 Jahren regelmässig ins Fitnesscenter. Als ich mit 12 Jahren auf der Suche nach einem neuen Sport war und ich leichte Verspannungen im Rücken hatte kamen sie auf die Idee mit dem Physiotherapeuten in ihrem Fitnesscenter zu sprechen. Gemeinsam entschieden wir, dass ich mit sehr leichtem Krafttraining anfangen werde, um vor allem meine Rückenmuskulatur auszugleichen und zu stabilisieren. Nun sah ich eine Prothese als nützliches Werkzeug an und wir liessen eine Prothese für mich anfertigen.

Zu Beginn der Herstellung einer Prothese wird ein Gipsabdruck des Stumpfes gemacht. mit dem Griff des Prothetikers wird bereits festgelegt, an welchen Knochenstrukturen die Prothese später halten wird. In meinem Fall war dies das Ellenbogengelenk. Da die fertige Prothese mehrere tausend Franken kostet, wird von diesem Gipsabdruck zuerst eine Form aus Kunststoff gemacht und provisorisch hergerichtet, um sie zu testen und auf Druckstellen zu überprüfen (siehe Bild). Ausserdem habe ich noch ein Geschirr getestet, das hinter dem Rücken um die gegenüberliegende Schulter gelegt wird. Streckt man sich dann mit der Prothese zieht das Geschirr am Haken (Hook) und öffnet diesen dadurch. Durch das Rückentraining, das viele streckende Übungen beinhaltet, erwies sich dieses System meiner Meinung nach als sehr unpassend für das Krafttraining, weshalb ich die Prothese bis heute manuell öffne und schliesse.

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Ich mit ca. 12 Jahren: Zum ersten Mal im Training mit dem Prototyp

Da ich ein paar wenige Druckstellen hatte, wurde die Plastikform mittels eines Heizföhns bearbeitet, um die Druckstellen zu entlasten. Von dieser Form aus wurde dann der endgültige Silikonabdruck gemacht, der dann wie ein passgenauer Handschuh angezogen werden kann. Um diesen Silikonabdruck wird dann der Unterarm (Schaft) aufgebaut. Er besteht meist aus Fiberglas oder auch Carbon, in meinem Fall war es Fiberglas, in die ein „Metallgelenk“ eingegossen wurde, was die Drehung des Hooks um 360° erlaubt.

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Schaft mit Gelenk meiner ersten Prothese

 

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Metallhook, der sich vor allem für ziehende Bewegungen eignet

Ich trainierte so mehr als zwei Jahre lang verschiedenste Übungen wie verschiedene Variationen vom Latzug, unterstützte Klimmzüge und Rudern an der Maschine. Sowohl meine Haltung als auch die Verspannungen verbesserten sich deutlich.

 

Meine aktuelle Prothese
Nach drei Jahren Pause begann ich endlich wieder mit dem Krafttraining. Die Prothese war anfangs zu eng, da ich in dieser Zeit natürlich gewachsen bin und auch an Gewicht zugenommen hatte. Deshalb stellte ich einen Antrag für eine neue Prothese. Nach ca. einem Jahr wurde die neue Prothese dann endlich genehmigt. In diesem Jahr habe ich mich eher auf den Gewichtsverlust fokussiert und war auch erfolgreich damit, dennoch konnte ich die verwendeten Gewichte gut steigern, bis zu einem Punkt an dem es schwierig wurde, da ich so viel Gewicht verloren hatte, dass die Prothese nun zu gross war 🙂 Mittlerweile war ich aber bereits richtig angefressen vom Sport und wartete ungeduldig auf die neue Prothese um mich endlich weiter steigern zu können.

 

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Meine aktuelle Prothese mit Carbonschaft

Ich entschied mich für einen Carbonschaft, da er mir mehr Stabilität bieten würde. Ausserdem wollte ich, dass die Prothese eng anliegt und meinen Stumpf leicht komprimiert. Das leichte Komprimieren des Stumpfes empfiehlt sich aber nur bei unempfindlichen Stümpfen, da es schon sehr eng werden kann, vor allem wenn der Stumpf durch das Krafttraining mehr durchblutet wird. Ein wichtiger Punkt für mich war auch der Winkel den ich mit der neuen Prothese erreichen wollte. Für einige Übungen wie das Bankdrücken war ein Winkel unter 90° sehr wichtig, um eine gute Ausführung durchführen zu können. Aber auch 180° sollte gut erreichbar sein in meinem Fall, da ich plante Kreuzheben in meinen Trainingsplan einzubauen. Im Zweifelsfall würde ich mich aber immer zuerst für einen Winkel unter 90° entscheiden, da die Streckung meiner Meinung nach weniger wichtig ist.

 

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Silikonschaft in gewünschter Farbe 🙂

Der Innenschaft besteht wie bei meiner ersten Prothese aus Silikon. Das Silikon ist sehr beständig und verursacht keine Hautreizungen, wenn es nach Gebrauch gereinigt wird.

 

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So sieht die Prothese angezogen aus

 

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Black Iron Trainer von https://www.trsprosthetics.com/

Neben dem Metallhook verwende ich zurzeit den Black Iron Trainer, den ich über meinen Prothetiker habe importieren lassen. Das Prinzip ist relativ simpel: Mit der Flügelschraube am Gewinde kann ein Gewicht oder eine Hantelstange eingeklemmt und gestemmt werden. Der Verschluss hält 200 kg aus, sollte also noch eine Weile ausreichen 😉 Leider wird ein solcher Aufsatz als Sportaufsatz angesehen, weshalb ich die Kosten von weit über 1000.- selber bezahlen musste. Ich habe nur wenig Verständnis für die IV so ein Utensil nicht zu übernehmen, welches doch als Prävention von Rückenbeschwerden angesehen werden kann und so die IV zukünftig weniger kosten würde. Sie bezahlen lieber Physio, wenn Rückenbeschwerden auftreten statt die Prävention so zu unterstützen… Da mir das Krafttraining aber so wichtig wurde bezahlte ich, ohne zu zögern diesen Preis. Der Aufsatz ist wirklich sehr gut und ist mir stets ein Begleiter im Fitnesscenter.

 

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Silikonärmel als weiteres optionales Utensil

Als weitere Absicherung in ziehenden Bewegungen verwende ich einfache Silikonärmel, die ich teilweise über meinen Oberarm und über die Prothese ziehe um so ein Vakuum zu erzeugen (siehe Bild meiner alten Prothese). Dieses Vakuum hält selbst grössten Gewichten stand und lässt mich gedanklich mehr bei der eigentlichen Übungsausführung bleiben. Es gäbe auch die Option einen solchen Silikonärmel passgenau anfertigen zu lassen. Diese sind dann weitaus beständiger und sitzen noch besser. Ich werde diese Variante vielleicht bald in Betracht ziehen, da ich momentan viele ziehende Bewegungen ausführe.