Über mich

20190105_161941.jpg
Der 29. Juni im Jahr 1998 war ein spezieller Tag im Leben meiner Eltern, denn ihr zweites Kind sollte an diesem Tag geboren werden. Als ich geboren wurde schrie eine Krankenschwester auf und versetzte meine Mutter in einen Schockzustand. Ihrem kleinen Sohn fehlte der linke Unterarm. Ein kurzer Satz in diesem Paragraphen aber ein wichtiger in meinem Leben…

Meine Eltern standen nach dieser Reaktion beide unter Schock und waren erst nach einigen Stunden bereit mich in die Arme zu schliessen. Doch dieses erste Treffen schien nicht nur ihr Leben, sondern auch meines nachhaltig zu verändern, da sie mich ab diesem Moment bedingungslos liebten und mich akzeptierten wie ich bin.

Als Baby mit nur einer Hand aufzuwachsen stellt sich manch einer als schwierig und anders vor. Meine Eltern aber erkannten schnell, wie lernfähig ein Baby sein kann und sahen, dass ich alles machen konnte, was Babys mit zwei Händen in meinem Alter auch schafften. Ich denke, dass dies ein wichtiger Schlüssel für ein erfolgreiches Leben mit einem Handicap ist – eigene, kreative Wege finden ohne fremde Hilfe. Dies unterstützte schlussendlich ihre Entscheidung auf eine Prothese für mich zu verzichten, da ich dies stets ablehnte.

Soweit ich mich zurück erinnern kann hatte ich nie Probleme mein Handicap zu akzeptieren und sah es schon immer als Teil meiner Person. Ich hatte nie den Drang wie alle anderen Kinder zu sein, obwohl mir natürlich schon früh bewusst war, dass ich nicht als «normal» angesehen wurde. Meine Mutter erinnerte sich an eine Szene als ich vom Kindergarten nach Hause kam und sie fragte: « Mami, wenn man in den Himmel kommt werden alle Menschen wieder normal und gesund oder? Ich möchte aber so bleiben wie ich bin, ich möchte keine zweite Hand». Meine Mutter hatte Tränen in den Augen und antwortete nur, dass jeder Mensch so in den Himmel kommt wie er sein möchte.

20190105_161857.jpg

Diese Einstellung hat sich bis heute nicht geändert und hat mich über die ganze Schulzeit auch vor Hänseleien verschont, da ich schon immer ausgestrahlt hatte, dass mein Handicap absolut kein Problem für mich ist und ich immer stolz war, anders zu sein als alle anderen. Ich bekomme noch häufig gefragt, ob ich mir jemals gewünscht hätte zwei Hände zu haben und ich kann wirklich sagen, dass dies noch nie ein Wunsch von mir war und ich diese Art von Individualität in dem heutigen Einheitsbrei noch viel mehr zu schätzen weiss. Es ist kein Handicap für mich, sondern eine Herausforderung, an der ich wachsen kann und ein guter Filter für echte Freundschaft und wahre Liebe in meinem Sinn.

 

Werdegang:
Von klein auf hatte ich immer einen Hang zu handwerklichen Arbeiten sei es mit Lego zu bauen, Handarbeit, Werken mit Holz aber auch meine spätere Berufslehre. Die Art und Weise wie ich die Arbeiten mit meiner Vorgehensweise verrichtete schien so manche Lehrer und Mitschüler in Staunen zu versetzen.

Mein Interesse an der Biologie hatte sich schon sehr früh entwickelt und begleitet mich noch heute. Abgeschlossen habe ich die Bezirksschule und hätte eigentlich den benötigen Notenschnitt für das Gymnasium erreicht. Ich hatte mich aber bewusst für eine Berufslehre entschieden, da ich mich unbedingt handwerklich betätigen wollte. Meine Leidenschaft zur Biologie führte mich schnell zur Laborantenlehre und somit begann ich mich zu bewerben. Leider glaubten nicht viele Personen ausser meiner Familie an mein Vorhaben, sodass sogar ich irgendwann aufgeben wollte und den Weg des geringsten Widerstandes wählen wollte. Meine Eltern aber motivierten mich weiter zu machen und unterstützten mich sehr in dieser Zeit. Kurz darauf hatte ich eine Lehrstelle an der ETH Zürich. Mein damaliger Lehrmeister schien etwas in mir gesehen zu haben, für das ich ihm noch heute sehr dankbar bin. Er hatte sich nicht in mir getäuscht und somit schloss ich 3 Jahre später als Jahrgangsbester ab.

Meine Lehre war immer aufregend und spannend, auch weil ich mir immer eigene Arbeitsweisen aneignen musste und Probleme kreativ angehen konnte. Heute bin ich in den grundlegenden Arbeiten routiniert und habe die mentale und körperliche Herausforderung auf das Krafttraining verschoben, denn ein Leben das einst gefüllt mit Herausforderungen war wäre schlichtweg langweilig ohne neue Herausforderungen.

Aktuell studiere ich Biotechnologie an der ZHAW und arbeite nebenbei als Laborant in einem Forschungsinstitut. Wie ich genau weiterfahre in der Zukunft weiss ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, einen genauen Plan gibt es bei mir nicht. Am Ende kommt sowieso meist alles anders als geplant. Aber genau diese Ungewissheit macht das Leben doch erst richtig spannend…

20180719_2341281-1.jpg
Wandern, ein weiteres Hobby von mir (Maschgenkamm 2018)